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PC-Markt - Tablets auf dem Vormarsch
Kernthesen

  • Die traditionellen PC-Hersteller steigen zu spät in den boomenden Tablet-Markt ein und stehen dadurch unter Druck.
  • Eurokrise, eine allgemein schwache Weltkonjunktur und die Überschwemmungen in Thailand belasten Absatz und Umsatz im PC-Markt.
  • Lenovo aus China hat sich durch Zukäufe weltweit auf Platz zwei der PC-Produzenten geschoben.
 
Beitrag
Tablet-Computer bedrängen die Desktop-PCs. Deren Absatz ging zuletzt jedoch auch infolge der schwachen Konjunktur und der Eurokrise zurück.

Möglichst stark und schnell sollen sie sein, die Desktop-PCs, wie sie sich zumindest die Teilnehmer einer Umfrage von Heise wünschen.  Quad-Core-CPUs, schnelle  SSD und ein großer Arbeitsspeicher sind gefragt. Wenigstens diese wohl anspruchsvolle Usergruppe möchte ihre Geräte möglichst lange benutzen und ersetzt sie seltener als noch vor einigen Jahren. Tablets wie das iPad begreifen die Umfrageteilnehmer eher als Zusatzgerät, nicht als PC-Ersatz. Der PC wird also nicht gleich zu Gunsten des iPad ganz abgeschafft. (1)

 



Zunächst investiert die Welt aber erst einmal kräftig in die neue Geräteart Tablet. Mit 119 Millionen verkauften Tablets rechnet man bei Gartner für dieses Jahr, danach mit jährlich 170 Millionen Stück bis 2016. 2011 gingen weltweit bereits 60 Millionen Tablets über die Ladentheken. Apple hatte mit 40 Millionen, also zwei Dritteln, die Nase deutlich vorn. Konkurrent Google kam auf 28 Prozent Marktanteil. Andere Marktteilnehmer sucht man unter ferner liefen. (2)

 


Desktop-PCs sind nicht gefragt

Der Absatz von PCs hingegen lief im vergangenen Jahr deutlich schlechter als erwartet. Noch zu Beginn des Jahres rechnete Gartner mit zehn Prozent Zuwachs, zwölf Monate später zählte man nur noch 0,5 Prozent und damit rund 350 Millionen Computer. Die Konkurrenz durch Tablets war ein wesentlicher Grund für diesen Rückgang, doch auch die allgemein schwache Konjunktur. Zudem sorgten Überschwemmungen in Thailand für einen Mangel an Festplatten. In Thailand stehen wichtige Fabriken für Festplatten. (3)

 



In Deutschland verkauften sich vor allem Notebooks schlechter. Der Absatz sank um über zehn Prozent auf nun 7,7 Millionen Stück. Desktop-PCs erlebten einen Verkaufsrückgang von fünf Prozent auf nunmehr vier Millionen Exemplare. Im dritten Quartal bevorzugten Käufer nach Angaben von IDC dabei Produkte von HP (16 Prozent Marktanteil), gefolgt von Acer (15 Prozent, 2010: 24 Prozent) und Asus (11 Prozent), Fujitsu und Dell (je 8 Prozent).

 


Trendwende mit Marktverschiebungen

Der Branchenverband Bitkom rechnet mit einem zukünftig leicht wachsenden ITK-Markt. Die Informationstechnik, also Software, Services und Hardware, soll dabei der wesentliche Treiber sein. Allerdings wird der Markt sich wohl deutlich zu Gunsten der Tablets entwickeln (plus 19 Prozent Umsatz) und zu Lasten von Desktops und Netbooks (minus 4,4 bzw. minus 31 Prozent). (4), (5)

 



Weltweit gehen die Marktforscher von Gartner aktuell davon aus, dass das Wachstum im PC-Geschäft gegenüber 2011 wieder anziehen wird, 2012 um 4,4 Prozent bzw. 368 Geräte (ohne Tablet-Computer), 2013 um acht Prozent. Zufriedenheit schafft das indes nicht. Innovationen wie Ultrabooks könnten die Verkaufszahlen verbessern. Doch noch sind diese Geräte sehr teuer und ob sie sich durchsetzen werden, ist noch längst nicht ausgemacht. (3)

 


Alle wollen Tablets

Insbesondere das IPad und das Samsung Galaxy vermiesen den früheren PC-Führern das Geschäft. Wer nicht zeitig bei den Tablets dabei war, hat es derzeit schwer. Denn Geschäftskunden wollen immer häufiger genau diese mobilen Endgeräte. Gewinner sind unter anderem auf Chips für Smartphones und Tablets spezialisierte Chiphersteller, darunter Nvidia, Qualcomm und Texas Instruments. Das Betriebssystem bestimmt den Markterfolg der Geräte, und hier sind Apple und Google vorn. Microsoft brauchen die Chipproduzenten nicht. Sie orientieren die Bauweise ihrer Produkte an iOS (Apple) und Android (Google). HP und Dell setzen ihre Hoffnungen derweil auf Microsofts neues Betriebssystem Windows 8, das wie Tablets mit Touch-Funktionen daher kommt und womöglich Konsumenten zum Kauf neuer Hardware verführen wird. (6)

 


Die wichtigsten Unternehmen am Markt

Hewlett-Packard gibt die PC-Sparte nun doch nicht auf - die neue Konzernchefin Meg Whitman machte die Pläne ihres Vorgängers Leo Apothéker rückgängig. Zuletzt lief das Geschäft schlecht. Mit PCs wurde 15 Prozent weniger Umsatz getätigt. Besonders Privatkunden hielten sich zurück und kauften 25 Prozent weniger HP-PCs. Der Festplattenmangel durch die Überschwemmungen in Thailand setzt auch Hewlett-Packard zu. Der Konzern lässt die meisten seiner Festplatten dort herstellen. Trotzdem bleib das PC-Geschäft die wichtigste Sparte und profitabel, wenn auch die Rendite nicht an die aus anderen Sparten heranreicht. (7), (8)

In Deutschland hält sich Hewlett-Packard nach Marktanteil mit 16 Prozent nur noch knapp an der Spitze der PC-Hersteller. Auch weltweit war HP im dritten Quartal 2011 mit 17,7 Prozent Marktanteil führend vor Lenovo (13,5 Prozent) und Dell (11,6 Prozent. Im vierten Quartal 2011 schwang sich dann Apple zum Marktführer unter den PC-Herstellern auf. Es verkaufte 15 Millionen iPads und fünf Millionen Mac-Rechner und steigerte damit seinen Absatz um sechs Prozent gegen über dem vierten Quartal 2010. HP rutschte damit am Jahresende auf Platz zwei (12,7 Prozent Absatzanteil). Es waren die Tablets, die den ehemaligen Weltmarktführer verdrängten. (1), (7), (8), (9), (10), [Abb.1]

 



Bei Acer ist man optimistisch, dass die Flaute nun vorbei ist. Indikator: Das vierte Quartal 2011, in dem sich die Marge von 9,2 auf 10 Prozent verbesserte und sogar ein Gewinn von 1,9 Millionen Euro übrig blieb. Insgesamt betrug der Verlust 2011 jedoch 170 Millionen Euro. Der erfolgreiche Notebook-Hersteller wird es weiter schwer haben, wenn Tablets sich auch 2012 deutlich besser verkaufen als Notebooks. (11)

 



Die thailändische Flutkatastrophe zerstörte mehrere Festplattenwerke. Nachfolgend sank auch die Nachfrage nach weiteren PC-Komponenten. Mainboard-Hersteller Asus fährt daher zurzeit die Produktion seiner Platinen zurück und plant statt sechs Millionen Mainboards nur noch 3,5 Millionen Stück. Allerdings kann der Konzern in der Zwischenzeit eine Million gelagerte Mainboards abverkaufen und somit den Absatz hochhalten. Im Frühjahr oder Sommer 2012 könnte es dem Festplattenmarkt wieder besser gehen. (12)

 



Die japanische Fujitsu konnte im Geschäftsjahr 2010 (Geschäftsjahresende April 2011) 4,4 Milliarden Euro umsetzen, 160 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. In Deutschland verkauften die Japaner 246.000 Rechner, über ein Viertel mehr als im Vorjahr. Fujitsu belegt damit nach Marktanteilen nun Platz vier. (13)

 



Dell-Computer wiederum verkauften sich zuletzt schlechter, und das gilt für Privatkunden ebenso wie für Geschäftskunden. Der Konzern lebt aktuell eher vom Geschäft mit Service, Servern und Netzprodukten. Desktop-PCs sorgten für sechs Prozent weniger Umsatz (3,4 Milliarden Dollar). (14)

 



Lenovo aus China hat sich im vergangenen Jahr auf Platz zwei der Liste der weltweit führenden PC-Hersteller vorgearbeitet und damit Dell hinter sich gelassen. Und der Erfolg geht weiter: Im ersten Quartal dieses Jahres verkaufte der Konzern bereits 28 Prozent mehr Computer als im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil betrug 2011 noch 10,4 Prozent, heute sind es bereits 13 Prozent. Das Wachstum ist jedoch nicht rein organischer Natur, sondern beruht zu wesentlichen Teilen auch auf dem Erwerb anderer Firmen. In Deutschland war dies Aldi-Lieferant Medion, in Japan Teile von NEC. (15)

 


Beschäftigte

Die deutsche IT-Hardware-Sparte bot 2011 7,1 Prozent weniger Menschen Beschäftigung. Im vergangenen Jahr arbeiteten dort 19 500 Personen. Zum Vergleich: In der gesamten Informationstechnikbranche arbeiteten 624 600 Menschen, 3,5 Prozent mehr als 2010. (16)

 


Fazit

Der Computer, so scheint es, heißt zukünftig Tablet. Nur damit lässt sich aktuell wirklich Geld machen. Unternehmen wollen die handlichen, leichten Geräte ebenso wie Privatkunden für ihre Unterhaltung. Tablets sind nicht grundsätzlich gleich Ersatz für PC, doch ergänzen sie den Gerätepark. Da der Markt mit ihnen noch nicht so gesättigt ist wie mit Desktop-Rechnern, ist das Interesse an ihnen derzeit sehr hoch, während sich PC schlechter verkaufen. Bei schlechter Konjunktur gilt schlicht: Man kann einen Euro nur einmal ausgeben. Ob die Tablets langfristig PCs mehr oder weniger überflüssig machen, wird sich noch zeigen müssen.
 
Fallbeispiele
Scharfes Bild

Technisch setzt Apples iPad unter den Tablet-PCs den Maßstab. Hohe Rechenleistung durch Quad-Core-Prozessoren, hohe Bildschirmauflösung (2048 x 1536 Punkte) und die Punktdichte von 264 ppi versprechen allerorten vollen Genuss von Full-HD-Videos und Spielen. (17)

 


Große und Kleine

Die Displays wachsen. Bei Toshiba gibt es inzwischen das Excite 13 mit einer Bildschirmgröße von 13,3 Zoll. Es gehen jedoch auch Gerüchte um über ein besonders kleines iPad, das man dann wohl praktisch in die Handtasche stecken kann. Sein Bildschirm soll mit 7,85 Zoll fast nur halb so groß sein wie das genannte Toshiba-Gerät.

 

 
Zahlen & Fakten
  
Abbildung 1: Hewlett-Packard noch knapp vorn


Quelle: IDC entnommen aus: Neue Rivalen (1)
 
Glossar
Erläuterung wichtiger BegriffeUltrabook:
Sehr kleines, leichtes Notebook mit Intel-Prozessor. Eingetragenes Warenzeichen von Intel.

Tablet-PC:
Relativ kleiner, tragbarer Personal Computer, der einen berührungsempfindlichen Bildschirm besitzt und mit einem Eingabestift oder mit dem Finger bedient wird. Der Tablet-PC ist eine spezielle Form des Notebooks bzw. Laptops.

SSD - Solid State Drive:
deutsch: Halbleiterlaufwerk oder Festkörperlaufwerk. SSD setzen zum Speichern Halbleiterbausteine ein und enthalten keine beweglichen Teile. Dieses Massenspeichermedium ist herkömmlichen magnetischen und optischen Laufwerken durch seine besondere Robustheit sowie schnellen Zugriff auf Daten und fehlende Geräuschentwicklung überlegen.

Mehrkernprozessor:
engl. multicore processor. Mehrkernprozessoren enthalten mehrere vollständige Prozessoren auf ein- und demselben Chip. Sie weisen dadurch eine deutlich erhöhte, wenn auch nicht anzahlmäßig vervielfältigte Rechenleistung auf. Ein Vierkernprozessor (Quad-Core-CPU) ist beispielsweise wesentlich stärker als ein Einzelkernprozessor, jedoch nicht viermal so stark.
 
Weiterführende Literatur


 (1.)
Neue Rivalen | Artikel kaufen für 3.21 EUR
aus c't - magazin für computertechnik Nr. 5/2012, Seite 142
Autor:Hirsch, Christian


 (2.)
Tabletcomputer stark gefragt | Artikel kaufen für 3.87 EUR
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 86 vom 12.04.2012, Seite 15


 (3.)
Dem PC-Geschäft fehlen die Impulse | Artikel kaufen für 2.74 EUR
aus cid Computer-Informations-Dienst vom 14.03.2012


 (4.)
Prognosen zum IT-Markt 2012 | Artikel kaufen für 3.81 EUR
aus CIO.de vom 13.03.2012
Autor:Kröger, Kolja


 (5.)
Die IT-Branche wird vorsichtig | Artikel kaufen für 3.87 EUR
aus Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 56 vom 06.03.2012, Seite 9


 (6.)
PC-Hersteller bekommen fehlende Tablet-Strategie zu spüren | Artikel kaufen für 2.74 EUR
aus cid Computer-Informations-Dienst vom 28.02.2012


 (7.)
Hewlett-Packard muss sich neu aufstellen | Artikel kaufen für 3.81 EUR
aus Computerwoche vom 27.02.2012


 (8.)
HP hält an PC-Geschäft fest und erntet Lob | Artikel kaufen für 3.81 EUR
aus Computerwoche, Nr. 45 vom 07.11.2011


 (9.)
Chinesischer Hersteller Lenovo ist erstmals Nummer zwei | Artikel kaufen für 2.74 EUR
aus cid Computer-Informations-Dienst vom 17.10.2011


 (10.)
Apple überrundet HP | Artikel kaufen für 8.72 EUR
aus IT-BUSINESS Nr. 4 vom 20.02.2012


 (11.)
PC-Hersteller Acer sieht Trendwende | Artikel kaufen für 3.45 EUR
aus Handelsblatt Nr. 34 vom 16.02.2012, Seite 30


 (12.)
Asus | Artikel kaufen für 3.81 EUR
aus gamestar.de vom 03.01.2012
Autor:Ziesecke, Dennis


 (13.)
Fujitsu überschlägt sich vor Cloud-Begeisterung | Artikel kaufen für 8.72 EUR
aus IT-BUSINESS Nr. 23 vom 21.11.2011
Autor:Riedl, Stefan


 (14.)
Dell: Umsatz stagniert - Gesamtgewinn wächst | Artikel kaufen für 3.81 EUR
aus Computerwoche Nr. 47 vom 21.11.2011


 (15.)
Lenovo hängt den Rest der PC-Branche ab | Artikel kaufen für 3.45 EUR
aus Handelsblatt Nr. 73 vom 13.04.2012, Seite 27
Autor:Hofer, Joachim


 (16.)
D: Export, Import und Beschäftigte im Markt für Informationstechnik, Telekommunikation und Informationstechnologie 2007-2011 | Artikel kaufen für 9.16 EUR
aus FAKT Markt- und Branchenstatistiken, Fakten

 (17.)
Apple, Amazon, Samsung und Co. | Artikel kaufen für 3.81 EUR
aus PC-Welt Online vom 12.04.2012
Autor:Rau, Thomas
Autor GENIOS BranchenWissen: Kerstin Werth
Quelle:
GENIOS BranchenWissen Nr. 04 vom 27.04.2012
Dokumentnummer:
s_tel_20120427
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