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Obst und Gemüse - regionale Herkunft gewinnt an Bedeutung
Kernthesen
  • Der Pro-Kopf-Verbrauch von Gemüse ist in einem Zeitraum von zehn Jahren gewachsen, Obst dagegen hat ein Minus verzeichnet.
  • Fast die Hälfte ihres Obst und Gemüses kaufen die deutschen Konsumenten beim Discounter.
  • Die Preise für Obst sind 2012 stieg stärker als der durchschnittliche Lebensmittelpreis, der Preisanstieg bei Gemüse dagegen lag unter dem Durchschnitt.
  • Für deutsche Verbraucher ist ein nachvollziehbarer, regionaler Anbau von Obst und Gemüse wichtiger als eine Bio-Herkunft.
 
Beitrag
Gemüse ist gesund ist, dies scheinen die deutschen Konsumenten zu beherzigen. Denn der Gemüseverbrauch ist hierzulande in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Doch bei Obst sind die Verbraucher skeptischer, der Verbrauch von Äpfel oder Bananen ist gesunken. Während die Themen Regionalität und Lokalität bei Obst und Gemüse immer wichtiger werden, verliert Bio an Bedeutung.

Deutsche Verbraucher essen mehr Gemüse, aber weniger Obst

Seit 2000 hat der sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Gemüse in Deutschland pro Jahr um 1,1 Kilogramm gesteigert. 2010 waren es nahezu 90 Kilogramm. Dabei erfreuten sich vor allem Tomaten, Möhren und Gurken wachsender Beliebtheit. Kohlgemüse und die als äußerst gesund erachteten Hülsenfrüchte wurden seltener verzehrt. Bei Obst sank dagegen der Pro-Kopf-Verbrauch zwischen 2000 und 2010 um etwa 800 Gramm, vor allem Äpfel und Pfirsiche büßten an Beliebtheit ein. Dennoch sind Äpfel die beliebteste Obstsorte der Deutschen. Den gesamten Obstverbrauch einschließlich Südfrüchte bezifferte der Bauernverband auf durchschnittlich 120 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Die Deutschen kaufen ihr Obst und Gemüse vor allem beim Discounter. Seit 2000 haben Aldi & Co ihren Marktanteil um 15 Prozentpunkte auf rund 43 Prozent in 2012 gesteigert. (1), (2), (3), [Abb. 1]

Bei Tiefkühlkost ist Obst ein Wachstumsriese. Das Segment Obst wuchs 2011 mit 3,1 Prozent am stärksten. Zum Vergleich: Fertiggerichte und Backwaren wiesen mit einem Plus von jeweils 2,1 Prozent das zweitgrößte Wachstum aus. 2011 lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Tiefkühlkost, ausgenommen Speiseeis, bei 40,4 Kilogramm. (4)


Die Preise von Obst wachsen stärker als die durchschnittlichen Lebensmittelpreise

In Deutschland sind die Lebensmittelpreise im Jahr 2012 nach vorläufigen Schätzungen des Statistischen Bundesamts durchschnittlich um 3,2 Prozent gestiegen. Im Jahr 2011 hatten sich die Nahrungsgüter für die Bundesbürger durchschnittlich nur um 2,8 Prozent verteuert. Damit lagen Lebensmittel über der allgemeinen Teuerungsrate, die sich im Jahresmittel nach vorläufigen Berechnungen 2012 auf zwei Prozent belief, 2011 waren es noch 2,3 Prozent. Zu den Preistreibern unter den Nahrungsmitteln zählten 2012 vor allem Frischeprodukte wie Fleisch, Fisch, Brot oder Getreideerzeugnisse. Auch beim Kauf von Obst und Gemüse mussten die Konsumenten ab Juni 2012 deutlich tiefer in die Tasche greifen als ein Jahr zuvor. Die Gemüsepreise waren 2011 aufgrund der EHEC-Krise regelrecht eingebrochen. 2012 erhöhten sich die Preise für Obst überdurchschnittlich um 4,4 Prozent, bei Gemüse lag das Plus laut Statistischem Bundesamt bei 1,7 Prozent. Die Preise für Obst und Gemüse in Deutschland werden auch 2013 wieder steigen. Ein Grund ist, dass sich die Nachfrage weltweit erhöht. Offen ist, ob die Branche diese Preissteigerungen im Handel durchsetzen kann. (5), (6)


In Deutschland wächst die Gemüseanbaufläche unter Glas

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes betrug 2011 die Anbaufläche von Gemüse im Unterglasanbau, beziehungsweise unter hohen Schutzabdeckungen, etwa 1 309 Hektar. Mit 321 Hektar entfiel etwa ein Viertel der Gesamtfläche auf den Tomatenanbau. Direkt danach folgen der Anbau von Feldsalat mit 275 Hektar und Salatgurken mit 232 Hektar. Hohe prozentuale Wachstumsraten weist der Anbau von Paprika auf. Er erreicht mittlerweile eine Fläche von 43 Hektar. Doch im Vergleich zu den Niederlanden nimmt sich die Anbaufläche unter Glas bescheiden aus. Das Nachbarland baut alleine Tomaten auf 1 700 Hektar unter Glas an. (7), [Abb. 2]


Obst und Gemüse weisen weniger Belastung auf

Obst und Gemüse sind um die Hälfte weniger durch Pflanzenschutzmittel belastet als noch 2006. Die Zahl der untersuchten Proben habe sich bis heute verdoppelt. Für den Monitoringreport 2013 der QS Fachgesellschaft Obst-Gemüse-Kartoffeln GmbH und der Deutsche Fruchthandelsverband e.V. (DFHV) wurden 16 059 Proben aus 66 Ländern ausgewertet. Demnach wurden in 40 Prozent der untersuchten Proben keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Die Beanstandungsquote für EU-Ware hat wie schon im Jahr zuvor bei 0,9 Prozent gelegen. Besonders unter die Lupe genommen wurden diesmal die Möhren. Insgesamt wurden 441 Proben analysiert. Fast die Hälfte war rückstandsfrei. Bei 55 Prozent wurden nachweisbare Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Bei zwei Proben wurden die gesetzlichen Rückstandshöchstgehalte überschritten. (9)

 
Trends

Herkunft ist für Obst und Gemüse ein wichtiges Kriterium

Ein großer Trend bei Obst und Gemüse ist eine regionale Herkunft der Ware. Sie wird zum Qualitätskriterium. Doch die reine Angabe einer Region reicht dazu nicht mehr aus. Die Region muss für die Verbraucher greifbar sein. Regionale und zunehmend auch lokale Herkunft hat Zukunft. Die Verbraucher verbinden damit ein gutes Gefühl. Das haben sie bei Biowaren in diesem Maße nicht mehr. Insofern hat sich Bio bei Obst und Gemüse vom Megatrend zur Nische zurückentwickelt. Beim Thema Nachhaltigkeit scheiden sich die Geister. Einerseits halten die Verantwortlichen der Obst- und Gemüsewelt das Thema für wichtig. Andererseits gibt es vielfach Probleme bei der Umsetzung und der Nachvollziehbarkeit. Auch ist die Definition von Nachhaltigkeit nicht eindeutig. Zudem wollen die Verbraucher zwar gerne fair gehandelte Ware kaufen, sie sind aber nicht bereit, dafür zusätzliches Geld auszugeben. (8)

 
Fallbeispiele

Baywa - steigt in die Weltliga der Obstvermarkter auf

Baywa hat 2012 rund 73 Prozent an dem neuseeländischen Obstvermarkter T&G übernommen. Damit wird Baywa zu einem der führenden Unternehmen im weltweiten Obstgeschäft. Bereits 2009 hatten sich das Unternehmen am belgischen Obstverpacker HP-Pack beteiligt und 2010 das Importgeschäfts der Firma Frucom mit Äpfeln und Kernobst aus Südamerika übernommen.

T&G ist größter lokaler Obst- und Gemüsehändler Neuseelands mit rund 40 Prozent Marktanteil. Außer Kernobst baut das Unternehmen Gewächshaustomaten, Kiwi, Zitronen und Mandarinen an. T&G vermarktet jährlich rund 200 000 Tonnen frisches und verarbeitetes Kernobst sowie rund 90 000 Tonnen Gemüse und weiteres Obst wie Kiwi. T&G hat über 45 Unternehmen mit Standorten in Australien, China, Chile, USA und Belgien. Die Vertriebsstrukturen der ausländischen Gesellschaften bieten Baywa zusätzliche Chancen, deutsches Obst auf internationalen Wachstumsmärkten abzusetzen. Zudem resultiert die Beteiligung in einem Umsatz- und Ertragssprung. Zu 130 Millionen Euro Obstumsatz 2011 kommen nun über 360 Millionen von T&G hinzu.

Baywa erfasst traditionell Obst aus der Region Bodensee/Neckar sowie Rheinland-Pfalz. In ihren Obstgroßmärkten sortiert sie das Frischobst nach Klasse, Größe und Ausfärbung. In über 200 verschiedenen Verpackungen und unter mehreren exklusiven Handelsmarken liefert sie die Ware mittels eigener Logistik an die Kunden. Mit 130 000 Tonnen war Baywa schon bisher der größte Kernobstlieferant des deutschen Lebensmitteleinzelhandels, auch für Bioäpfel und -birnen. Durch die T&G-Übernahme kann der Konzern den Handel mit etwa 20 000 weiteren Tonnen Obst ganzjährig als Vollsortimenter versorgen. (10)


Edeka - Dachmarkenkampagne soll auch bei Obst und Gemüse umgesetzt werden

Edeka baut sein Obst- und Gemüsegeschäft um. Die Handelsgruppe mustert die Eigenmarken Gärtners Beste und Rio Grande aus. Im Rahmen der Dachmarkenkampagne soll 2013 auch für den Obst- und Gemüsebereich ein integriertes Eigenmarkenkonzept umgesetzt werden. Allerdings herrscht nach Informationen von Insidern über diesen Punkt noch keine Einigkeit zwischen den sieben Edeka-Regionen. Wie dieses Konzept konkret aussehen wird, ist noch nicht final entschieden. Angedacht ist die Einführung von Preiseinstiegsprodukten unter dem Label Gut&Günstig. Entschieden ist hingegen, dass Edeka an der Premiumlinie Selection/Yakaran festhält. Mit der neuen Eigenmarkenstrategie will das Kontor wohl auch die Attraktivität gegenüber Rivalen erhöhen.

Das Frucht- und Blumengeschäft der Edeka-Gruppe läuft über das unternehmenseigene Kontor mit Niederlassungen in Hamburg, Rossdorf, Garching, Valencia und Lüllingen (Blumen). Nach Angaben von Edeka lag der Umsatz des Kontors 2011 bei 1,9 Milliarden Euro. Die Edeka-Regionen Südwest und Südbayern decken jedoch einen wachsenden Teil ihres Bedarfs über den deutsch-spanischen Fruchthändler SanLucar. (11)

 
Zahlen & Fakten
  
Abbildung 1: Die beliebtesten Obst- und Gemüsesorten der Deutschen

Entnommen aus: Rundschau für den Lebensmittelhandel, 2/2013, S. 36, (8)
Abbildung 2: Gemüseanbau unter Glas in Deutschland

Entnommen aus: Lebensmittel Zeitung, 37/2012, S. 37 bis 40, (7)
 
Weiterführende Literatur
 (1.)
Mehr Gemüse, zu viel Fleisch
aus DIE WELT Nr. 294 vom 15.12.2012, Seite 15
Autor:Grabitz, Ileana
 (2.)
Obst und Gemüse muss gut aussehen
aus Lebensmittel Zeitung Nr. 12 vom 23.03.2012, Seite 22
Autor:Hoffmann, Kurt
 (3.)
Artikeldatei: Deutschland Obst...
aus AGRA-EUROPE (AgE) Nr. 32 vom 06.08.2012
 (4.)
Tiefkühlkost
aus Lebensmittel Zeitung Nr. 27 vom 06.07.2012, Seite 60
Autor:Wesp, Roswitha
 (5.)
Einkäufe waren teurer
aus allgemeine fleischer zeitung Nr. 2 vom 09.01.2013, Seite 6
 (6.)
Fruit Logistica: Startet in Berlin
aus LebensmittelZeitung.net vom 05.02.2013
 (7.)
Unter deutschen Glasdächern
aus Lebensmittel Zeitung Nr. 37 vom 14.09.2012, Seite 37 bis 40
Autor:Lenders, Dirk
 (8.)
Die Fruchthandelsorganisationen und Erzeugerbetriebe
aus Rundschau für den Lebensmittelhandel Nr. 2 vom 01.02.2013, Seite 36
 (9.)
Obst und Gemüse: Mit deutlich weniger Rückständen
aus LebensmittelZeitung.net vom 04.02.2013
 (10.)
Äpfel aus dem Auenland
aus Lebensmittel Zeitung Nr. 49 vom 07.12.2012, Seite 22 bis 23
 (11.)
Edeka baut O+G um
aus Lebensmittel Zeitung Nr. 7 vom 15.02.2013, Seite 8
Autor:Wessel, Andrea
Autor GENIOS BranchenWissen: Markus Hofstetter
Quelle:
GENIOS BranchenWissen Nr. 03 vom 04.03.2013
Dokumentnummer:
s_leb_20130304
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